Fahrzeugdauererprobung ist nie das Ergebnis einer einzelnen Person. Um eine Fahrzeugdauererprobung abzuwickeln, wird in der Regel die Zusammenarbeit von sehr viele Personen benötigt. Arbeiten diese im Schichtbetrieb oder läuft das Projekt sehr lang, ist es möglich, dass sich beteiligte Personen im Projekt nie sehen. Um so wichtiger ist eine klare, einfach, unmissverständliche Kommumikation zwischen den Beteiligten. Die häufigste Form von Missverständnissen ist die, bei denen eine Seite meint, die andere Seite würde schon wissen, was mit der Aussage gemeint ist. Aus diesem Grund sprechen Berufsstände typische Sprachen. Ärzte sprechen eine Mischsprache aus Latein und ihrer Landessprache. Anwälte verwenden juristische Begriffe und juristische Zusammenhänge in der Satzbildung. Durch diese Sprache stellen die Berufsstände eine einheitliche Logik sicher.

Innerhalb der Fahrzeugdauererprobung werden viele Begriffe verwendet, die historisch gewachsen sind. Viel schlimmer ist aber der Einfluss der Medien. Zunehmend werden mediale Begriffe in die Standessprache der Fahrzeugerprobung integriert. Für die Fahrzeugdauererprobung gibt es Begriffe wie Dauerlauf, Straßendauerlauf, Testfahrt, etc. Bei den Versuchs- bzw. besser Erprobungsfahrern wird in der Regel nur der Begriff Fahrer verwendet. Wenn ich aber einen nur mäßig für die Aufgabe qualifizierten Mitarbeiter als Fahrer oder Testfahrer bezeichne und in mit einem Dauerlauf beauftrage, was werde ich dann wohl bekommen? Ich erhalte eine Fahrleistung. Diese mag gut oder schlecht sein; es ist nicht das, was ich brauche. Ein Testfahrer ist jemand, der eben mal durch die Gegend fährt und ein Auto gut oder schlecht findet. Die Auto-Bild und das Marketing der OEM sucht immer mal wieder Testfahrer für neue Autos. Die Auswahl der Personen, die hier „testen“ erfolgt durch das Los.

Ein Versuchs- oder Erprobungsfahrer braucht das Versuchsobjekt bzw. den Versuchsträger nicht gut oder schlecht finden. Er hat eine Reihe von Versuchen bzw. Tests zu absolvieren. Diese hat er mit i.O. oder n.i.O. zu bewerten. Ggf. hat er n.i.O.-Bewertungen noch weiter zu erläutern und die Reproduzierbarkeit sicher zu stellen.

Ein Versuchs- oder Erprobungsfahrer liefert als Ergebnis seines Erprobungsauftrages auch kein Fahrbericht ab, sondern er liefert einen Erprobungsbericht zu seinem Erprobungsauftrag.

In der Fahrzeugdauererprobung wird erprobt. Die Erprobung wird von Fahrzeugerprobern oder Fahrzeugtestern ausgeführt. Wird dies klar kommuniziert, ist jedem klar, dass die Leistung nicht Fahren oder gut- oder schlecht-Finden ist. Damit ist auch klar, dass da Ergebnis einen anderen Umfang hat, als die Veränderung des Standes des Kilometerzählers. Das Ergebnis ist eine valide, nachvollziehbare Erprobungsdokumentation.

Um innerhalb der Erprobung klar zu machen, worum es geht, ist eine klare Sprache unvermeidlich. Die Sprache muss klar und unmissverständlich sagen, was gemeint ist.

 

Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassungen eines Abschnitts aus einer Mitarbeiterschulung unter dem Titel „Erkenntnistheorie als Grundlage der Fahrzeugerprobung. Für Fragen, Anregungen und Diskussionen steht Ihnen der Autor gerne zur Verfügung.

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