Das Induktionsproblem

Peter Saubert/ März 13, 2017/ Erkenntnistheorie/ 0Kommentare

„Um ein tadelloses Mitglied einer Schafherde sein zu können, muss man vor allem selbst ein Schaf sein.“ (Albert Einstein)

„Ein gelehrter Bär kommt im Wald nicht weit.“ (Deutsches Sprichwort)

„Wissenschaft ist nur der Austausch unserer Unwissenheit gegen Unwissenheit neuer Art.“ (Lord George Gordon Noel Byron )

Vom Freigabeprozess wird gerne erwartet, dass im Prozess bewiesen wird, dass die Freigabe gerechtfertigt ist. „Die Freigabe ist gerechtfertigt“, ist eine Theorie. Mit der Beweisbarkeit von Theorien haben sich seit Aristoteles hunderte von Philosophen beschäftigt. Einige große Namen sind z.B. David Hume, Immanuel Kant oder Karl Popper. Eine Theorie kann niemals bewiesen sondern nur falsifiziert werden. Falsifizieren heißt den Glauben an die Richtigkeit zu erschüttern.

Auf das Wesentliche reduziert, stellt das Induktionsproblem die Frage, ob von einem Einzelfall oder einer Summe an Einzelfällen auf die Allgemeinheit geschlossen werden kann. Alle Beobachtungen sind Einzelfälle. Diese werden z.B. zu Naturgesetzen zusammengefasst. Ist dies zulässig oder nicht?

Ein häufig gewähltes Beispiel für die Erläuterung ist der schwarze Schwan. Das Bild des schwarzen Schwanes als gänzlich unerwartetes Ereignis geht auf den Satiriker Juvenal zurück. In seinen Satiren bezeichnet er eine treue Ehefrau als so etwas ähnliches, wie einen schwarzen Schwan. Im Kontrast dazu nannte er einen Glückspilz einen weißen Raben. Weiße Raben sind auch heute noch nicht bekannt. Schwarze Schwäne waren bis zur Entdeckung 1697 in Westaustralien in Europa völlig unbekannt. Mit der Entdeckung schwarzer Schwäne entstand im englischen die Metapher black swan (schwarzer Schwan) für ein völlig unwahrscheinliches, aber mögliches Ereignis. Der schwarze Schwan wurde mit John Stuart Mill und Kalt Popper zum Prototypen für ein Vorgehen der Falsifikation.

Im Beispiel des schwarzen Schwans wird der Schluss vom Einzelfall auf das Allgemeine abgelehnt. Aus der Beobachtung „alle Schwäne, die ich gesehen habe, sind weiß“, kann nicht zwingend geschlossen werden, „alle Schwäne sind weiß“. Ein beobachteter schwarzer Schwan, widerlegte die Theorie.

Auf die Fahrzeugerprobung übertragen bedeutet dies, aus der Beobachtung „alle Dauererprobungsfahrzeuge, die wir gesehen haben, haben funktioniert“, kann nicht geschlossen werden, „alle Fahrzeuge funktionieren“.

Um also eine Freigabe zu erteilen, muss also gezielt falsifiziert werden. D.h. es muss „widerlegt“ werden, dass die Theorie „die Freigabe ist gerechtfertigt“ richtig ist. Scheitert der Nachweis, dass diese Theorie falsch ist, kann zunächst davon ausgegangen werden, dass die Theorie wahrscheinlich richtig ist. Also wird die Freigabe erteilt.

Merksatz: Eine Freigabe kann nur nach gescheiterter Falsifizierung der Freigabe erteilt werden.

Merksatz: Eine Freigabe muss zurück gezogen werden, wenn die Theorie „die Freigabe ist gerechtfertigt“ widerlegt wird.

 

Dieser Beitrag ist eine Zusammenfassungen eines Abschnitts aus einer Mitarbeiterschulung unter dem Titel „Erkenntnistheorie als Grundlage der Fahrzeugerprobung. Für Fragen, Anregungen und Diskussionen steht Ihnen der Autor gerne zur Verfügung.

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