Sprache als Grenze der Fehlererkennung

Peter Saubert/ März 18, 2017/ Erkenntnistheorie/ 0Kommentare

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ (Ludwig Wittgenstein)

„Die Sprache ist dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu verbergen.“ Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord

„Wenn die Begriffe sich verwirren, ist die Welt in Unordnung.“ Konfuzius

„Die Sprache ist die Mutter, nicht die Magd des Gedankens.“ Karl Kraus

Ein wesentlicher Punkt, der gerade unter Techniker nicht wirklich präsent ist, ist die banale Tatsache, dass wir nur Fehler finden, dokumentieren und abstellen können, wenn wir diesen Fehler mit Mitteln unserer Sprache formulieren können. Rein mathematisch betrachtet ist Sprache ein hinreichend mächtiges, rekursiv aufzählbares System. Damit gelten für Sprachen immer auch die beiden gödelschen Unvollständigkeitssätze.

Die Aussage ist aber noch viel weitreichender. Über die Qualität der Beanstandung wird die Qualität der Dokumentation gesteuert. Ist also der mit der Erprobung betraute Mitarbeiter nicht in der Lage das Problem hinreichend zu beschreiben, bedeutet dies, dass der Mitarbeiter das Problem nicht so einlasten kann, dass es auch verstanden wird. Es kann damit auch nicht periodisiert werden. Es verschwindet aus der Dokumentation.

Das Problem hierbei ist, bekannte Probleme haben oft schon eine Beschreibungsform gefunden. Unbekannten Problemen fehlt es an diesem Format. Mit dem einfachen Abtun der schwammigen irgendetwas-Beschreibung werden also Chancen für das Erkennen von Fehlern vertan.

Ich habe in der Vergangenheit immer wieder mit Führungskräften zusammen gesessen, die neue Technologien in die Serie bringen mussten. Allen ist gemein, dass sie eine große Angst vor übersehenen Fehlern haben. Leider kommt diese Angst oft kurz vor dem Serientermin. Mein Rat dazu war immer der Gleiche: Wenn man sich sicher ist, dass alles dokumentiert wurde, setze einen ehrgeizigen Berufsanfänger an die Dokumentation. Dieser soll alle nicht verfolgten Beanstandungen sichten und alles was ihm schwammig vorkommt in einen Report zusammen tragen. Dieser Report wird dann von der Führungskraft analysiert. So weit ich mich erinnere, hat die Führungskraft in den Reports immer Beanstandungen gefunden, die als relevant erachtet wurden.

Leider funktioniert dieses Verfahren nicht, wenn der Serienanlauf noch in großer Ferne ist. Folglich haben dann auch die Erprober kaum Möglichkeiten, Fehler, die sich der Beschreibung entziehen, zu finden.

 

Für Fragen, Anregungen und Diskussionen steht Ihnen der Autor gerne zur Verfügung.

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