Der Produktionsanlauf des Model 3 von Tesla

Peter Saubert/ Juli 7, 2017/ Allgemein/ 1Kommentare

Tesla möchte noch im Juli 2017 mit der Serienproduktion des Model 3 beginnen. Dies wäre der erste termingerechte Produktionsanlauf bei Tesla. Es gibt aber wahrscheinlich einen Punkt der spektakulärer ist. Tesla startet eine Grossserie ohne eine Nullserie.

Auf die Nullserie wurde in der Automobilindustrie schon oft verzichtet. Allerdings war das noch nie bei einer Großserienproduktion der Fall. Wer Tesla jetzt eine Weile beobachtet hat, weiß, nur weil dies so angekündigt ist, muss das nicht so kommen. Es ist immer noch möglich, dass die ersten 10 bis 30 Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert werden und die Nullserie dann nachgeholt wird. Aber gehen wir mal davon aus, dass die Aussagen von Elon Musk Bestand haben.

Bild Fotofahrzeug des Model 3 von Tesla (Vorserie)

Fotofahrzeug des Model 3 von Tesla (Vorserie)

Eine Großserie ohne Nullserie: Geht das? Was spricht dafür? Ws spricht dagegen?

Beginnen wir mit den pro-Fakten. Dafür spricht zu aller erst der Entfall eines großen Kostenblocks.  Keine Nullserie bedeutet keine Kosten für die Fahrzeuge der Nullserie und keine Kosten für Freigabetests der Serienproduktion. Hierbei handelt es sich um nicht unwesentliche Kostenblöcke.

Entfällt die Nullserie, entfallen auch die Leerlaufzeiten für die Produktionsanlagen. Es werden schneller Fahrzeuge verkauft und damit schneller positver Cashflow generiert. Kaufmännisch betrachtet scheint also zunächst alles für den Verzicht auf eine Nullserie zu sprechen.

Nun ist die Automobilindustrie nicht dafür bekannt, verschwenderisch zu sein. Es gibt also auch Gründe, die dagegen sprechen. Die Test rund um die Nullserie haben sich etabliert, weil in der Vergangenheit nach dem Serienanlauf Probleme aufgetreten sind oder weil die Entwickler Risiken beim Übergang von Entwicklungsprozess zu Serienprozess erwartet haben. Diese Probleme konnten im Rahmen der Vorlaufzeit erkannt und Abstellmaßnahmen entwickelt werden.

Die Tests mit der Nullserie dienen also dem Vermeiden von Qualitätsproblemen beim Kunden. Damit soll das Image der Marke und es Produkts und damit der Markenwert geschützt werden. Aus der Vergangenheit wissen wir, dass sich Produkte, die große Anlaufschwierigkeiten hatten, schlecht über den Lifecycle verkauft haben. Dies kann also das Geschäftsmodell des Produkts gefährden.

Der Markenwert ist ein sehr langfristiger Wert, der einem Unternehmen Krisenstabilität gibt. Diese Krisenstabilität kann sicher durch Abzinsen berücksichtigt werden. Er muss aber auch im Rahmen der Risikobetrachtung separat beleuchtet werden. Ich möchte mich aber hier auf die rein betriebswirtschaftliche Sicht eines Kostencontrollers begrenzen.

Neben dem Markenwert ist der Aspekt der Kosten der Qualitätsprobleme nicht zuvernachlässigen. Probleme beim Übergang von der Entwicklung zur Serie sind in der Detaillierung kaum vorhersehbar. Dieser Schritt ist selbst für erfahrene Automobilhersteller hochgradig komplex. Das bedeutet, das Auftreten von Problemen kann weder in der Anzahl noch im Themengebiet vorhergesagt werden. Theoretisch ist aber auch ein Serienanlauf ohne Schwierigkeiten möglich. Treten diese Serienanlaufprobleme beim Kunden Qualitätsprobleme auf, sind Rückruf-Aktionen die Folge. Das Lösen der Probleme im Feld beim Kunden oder beim Händler ist immer teurer als das Lösen von Problemen in der Fabrik.

Es gibt also auch klare wirtschaftliche Gründe, die gegen die Vorgehensweise von Tesla sprechen.

Lassen Sie uns feststellen, für beide Vorgehensweisen sprechen rein wirtschaftliche Gründe. Bei den on-air-Software-updates gilt Tesla als Trendsetter. Ist Tesla auch mit der Vorgehensweise, auf die Nullserie in der Großserienproduktion zu verzichten, Trendsetter? Ist die Vorgehensweise von Tesla clever oder ist es einfach nur wirtschaftliche Verzweiflung? Ihre Meinung würde mich interessieren. Stimmen Sie ab oder kommentieren Sie Ihre Gedanken zum Artikel.

(Sollte ich wesentliche Aspekte vergessen haben, bitte ich Sie diese in den Kommentaren zu ergänzen.)

 

Das Ergebnis der Umfrage ist unten dargestellt. Interessant ist, dass die Leser von Fahrzeugerprobung.org, die Vorgehensweise wesentlich negativer sehen, als die Follower auf Twitter.

Diagramm Ergebnis der Umfrage zum Verzicht auf die Nullserie in der Großserienproduktion des Tesla Model 3

Ergebnis der Umfrage zum Verzicht auf die Nullserie in der Großserienproduktion des Tesla Model 3

1 Kommentar

  1. Jetzt ist auch klar, was von der Ankündigung zu halten war. Die ersten 30 Fahrzeuge gingen an keine wirklichen Kunden. Es handelte sich um Mitarbeiter, die das Fahrzeug im täglichen Betrieb getestet haben. Die nächsten 20 Fahrzeuge waren regulär nur für Tests aufgebaut. Fazit: Es war nichts Revolutionäres, was Tesla da vollbracht hat. Es war nur eine Aktion, um die Kapitalanleger gnädig zu stimmen. Offensichtlich bleibt alles wie gehabt: Großserie bedeutet Nullserie und Freigabetests für die Serie.

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